6. Juni 2019: 75. Jahrestag der Landung der alliierter Truppen in der Normandie

Vor 75 Jahren landeten die alliierten Truppen an den Stränden der Normandie: die Schlacht um die Normandie begann. Dies war der erste Schritt, um Frankreich und Europa von der Besatzung des Dritten Reichs zu befreien.

Programm der D-Day Gedenkfeiern

Anlässlich dieses Jubiläums stehen zahlreiche Gedenkfeiern auf dem Programm.
Bei einer internationalen Gedenkfeier sind am 6. Juni viele Staatsoberhäupter aus aller Welt anwesend sowie einige der Veteranen, die noch am Leben sind. Für die letzte große Gedenkfeier in 2014 sind Barack Obama, die königliche Familie von England, Wladimir Putin, Angela Merkel, … in die Normandie gekommen.
Ein Forum „Normandie für den Frieden“ organisiert Konferenzen und Diskussionsworkshops, um die Werte von Freiheit und Frieden in der Öffentlichkeit zu fördern.
Festlichkeiten sind während des gesamten Monats im Juni organisiert: Riesenfeuerwerke, Strandpicknicks,Befreiungs-Tanzbälle, Konzerte, Paraden, Ausstellungen von Militärfahrzeugen, Workshops, …

Eine kurze Geschichtsstunde

Nach dem Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion im Juni 1941, gefolgt von einer Reduktion der Wehrmacht-Streitkräfte an der Westfront und dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten im Dezember 1941, fürchtet Hitler eine angelsächsische Landung an der Atlantikfassade.

Er beschliesst deshalb, seine Verteidigung durch die Konstruktion des Atlantikwalls zu verstärken. Der Bau des Walls beginnt im Jahre 1942. Er erstreckt sich 4.000 km entlang der Nordsee, des Ärmelkanals und der Atlantiküste und zählt 15.000 Konstruktionen : Festungen, Küstenbatterien, Befestigungen mit Hindernissen aus Holz, Beton oder Eisen – entweder direkt am Strand oder etwas im Hinterland.

Die Landung, in größter Heimlichkeit von den britischen und amerikanischen Verbündeten seit 1942 geplant, ist für 1944 vorgesehen. Im Jahr 1943 wird die Entscheidung getroffen, an der normannischen Küste zu landen und nicht an der Küste von Pas-de-Calais. Die Normandie wird zu keinem Zeitpunkt von den Deutschen als Landungsort in Betracht gezogen – die Überraschung ist also groß…

Der D-Day mit dem Decknamen „Neptune“ ist der erste Schritt der Operation « Overlord », dessen Ziel es ist, Europa von den Nazis zu befreien.

Die 3 Etappen des D-Days am 6. Juni 1944

Die Landungsmanöver beginnen in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 mit dem Absprung von Luftlandetruppen an den beiden Flanken des Landungssektors: Briten in der Gegend von Ranville (Sword, Juno und Gold Beach) und amerikanische Fallschirmspringer in der Gegend von Sainte Mère Eglise und Colleville (Utah und Omaha Beach).

In derselben Nacht, um 3 Uhr frühmorgens, bombardiert die Royal Air Force die deutsche Artillerie in der Angriffszone. Um 5.45 Uhr im Morgengrauen werden die 3000 Bomberflugzeuge von der Marine-Artillerie abgelöst, die das Feuer auf die Küste eröffnet.

Im ersten Tageslicht entdecken die deutschen Soldaten das mit Schiffen übersähte Meer. Tausende von Landungsbooten transportieren Soldaten, Fahrzeuge und Panzer, die sich der Küste nähern.

Ab 6.30 Uhr setzen die ersten Soldaten Fuss auf die 5 Strände zwischen La Madeleine (Cotentin) und Ouistreham (Calvados): zuerst auf Utah und Omaha Beach, dann durch die Gezeitenverschiebung eine Stunde später auf Gold, Juno und Sword Beach.

Am Ende des Tages beträgt die Zahl der gefallenen, verwundeten, vermissten und gefangenen allierten Soldaten 10.500, die deutschen Verluste belaufen sich auf 10.000.

Die 5 Landungsstrände

UTAH BEACH

Utah Beach ist einer von den zwei Landungsstränden – neben Omaha Beach –, der den Amerikanern für den D-Day anvertraut wird.

Er liegt zwischen Sainte-Marie-du-Mont und Quinéville. Die Wahl der Allierten fällt auf diesen Strand, da er nahe an Cherbourg liegt. Strategisches Ziel ist, Cherbourg und seinen Tiefwasserhafen möglichst schnell zu befreien, um die Truppenversorgung und damit die Befreiung Frankreichs und Europas voranzutreiben. Die Schlacht um die Festung Cherbourg gestaltet sich sehr hart mit schweren Verlusten auf beiden Seiten und dauert bis zum 27. Juni.

Das Utah Beach Museum, das an der Stelle errichtet ist, an der die Amerikaner gelandet sind, führt Sie auf einer chronologische Reise in die Vergangenheit. Das Museum stellt einen authentischen B26-Bomber aus, von dem es weltweit nur noch wenige Exemplare gibt.

OMAHA BEACH

Omaha Beach, in der Gemeinde Colleville gelegen, wird wegen der erheblichen Verluste der US-Divisionen auch „Bloody Omaha“ genannt. Der Platz bietet sich in der Tat nicht für eine Landung an, da hohe Klippen die Küste beherrschen. Die Strandeinbuchtung vor Colleville ist die einzige Option, um einen zusätzlichen Angriffsort zwischen Utah und Gold Beach zu haben. Die Luft- und Marinebombardements in der Nacht sind nicht sehr effizient und lassen die deutschen Verteidigungsanlagen fast intakt. Die Deutschen „begrüßen“ die Angreifer mit  sehr starkem Beschuss. Der Strand bedeckt sich immer mehr mit gefallenen und verwundeten Soldaten. Nach einigen furchtbaren Stunden wendet sich die Situation endlich dank der Bemühungen und des Mutes der amerikanischen Soldaten:  Sie klettern die Klippen hoch; oben auf dem Plateau greifen sie die deutschen Stellungen von hinten an.

Amerikanischer Soldatenfriedhof
Im selben Ort befindet sich der amerikanische Friedhof, der die Küste überragt und fast 9500 weiße Grabsteine beherbergt. Diese sind perfekt auf den grünen Wiesen aneinander gereiht. Sie können täglich an der emotionsgeladenen Flaggeneinhol-Zeremonie teilnehmen (um 16h00 vom 16.9. bis 15.4. und um 17h00 vom 16.4 bis 15.9.).

GOLD BEACH UND ARROMANCHES

Dieser Sektor wird den Briten anvertraut, wo am Morgen des 6. Junis um 7h25 25.000 Soldaten landen.Die Landung dort hat zum Ziel, die Stadt Bayeux einzunehmen, den Deutschen die Achse Bayeux-Caen zu blockieren und sich den amerikanischen Truppen in Port-en-Bessin anzuschließen. Am Abend des 6. Juni 1944 ist ein Brückenkopf von 9 km Breite und 9 km Tiefe errichtet. Die Stadt Bayeux ist noch nicht befreit, aber die Deutschen haben sie bereits verlassen. Am 7. Juni am Ende des Vormittags ist Bayeux die erste befreite französische Subpräfektur! Am 8. Juni dient Port-en-Bessin schon als Hafen für Tankschiffe und der künstliche Hafen Arromanches westlich von Gold Beach ist errichtet.

JUNO BEACH

Der Sektor von Juno Beach (zwischen Sword und Gold Beach gelegen), einem 9 km langen Küstenstreifen mit felsigem Meeresboden, wird den Kanadiern und den Briten zugewiesen: 25.000 Soldaten landen dort kurz vor 8 Uhr – mit 20 Minuten Verspätung wegen wegen rauer See. Gegen starken deutschen Widerstand erleiden sie während der ersten Angriffswelle starke Verluste. Zwei Stunden später gelingt es den Kanadiern, die deutschen Verteidigungsbefestigungen zu sichern. Sie können ins Landesinnere vorstoßen, um zu versuchen, die Zielsetzungen des D-Days einzuhalten:
* den Flugplatz Carpiquet einzunehmen und in Richtung Caen vorzustoßen
* die Eisenbahnstrecke Caen-Bayeux zu erreichen
* sich den Truppen des Sektors Sword und Gold Beach anzuschließen

Diese Ziele werden an diesem Tag leider nicht erreicht – Caen und Carpiquet befinden sich immer noch in den Händen der Deutschen Wehrmacht, und die alliierten Truppen am Sword Beach bleiben vorerst unerreichbar. Aber für die Kanadier ist es trotzdem eine erfolgreiche Aktion, da sie von allen Divisionen am 6. Juni am weitesten ins Landesinnere vorrrücken.

SWORD BEACH

Sword Beach, zwischen Langrune-sur-Mer und Ouistreham gelegen, bildet die östliche Flanke der Angriffszone in der Normandie. Dieser Sektor ist den Briten und Kanadiern zugeordnet. Dort treffen sie  auf deutsche Verteidigungsanlagen mit 500 Maschinengewehren, 50 Mörsern und 90 Geschützen verschiedener Kaliber. Wie am Gold und Juno Beach werden dort 20 Minuten vor Angriff (geplant für 7.30 Uhr) die Strandabwehrbefestigungen von speziellen Einsatztruppen beseitigt, damit der Zugang zum Strand gewährleistet ist. 25 Panzer landen vor der ersten Infanteriewelle. Die Angreifer kommen aufgrund zahlreicher Strandabwehrbefestigungen und anhaltendem deutschen Feuer nur langsam voran. Erst gegen Mittag ist der Strand frei genug und genügend Breschen sind geschaffen, so dass Verstärkungen schneller landen können. Am Abend des 6. Juni 1944 besitzen die britischen Truppen westlich der Orne einen Brückenkopf von fast 8 Kilometern Tiefe. Sie sind nur 5 km von Caen entfernt. Aber diese Schlacht ist noch nicht gewonnen…

Die Schlacht um die Normandie

Diese gewaltige Schlacht in der  Unteren Normandie dauert 3 Monate, viel länger als von den Alliierten erwartet. Juli ist der dunkelste Monat der Schlacht. Die Alliierten treffen in Caen auf deutsche Panzerdivisionen und die Stadt wird letztendlich erst am 19. Juli befreit.

Die zivilen Opfer sind zahlreich;  die Bevölkerung bringt sich vor Bomben und Granaten in Steinbrüchen, Minenstollen, Schützengräben und Kellern in Sicherheit. Viele fliehen in Richtung Süden.

Anfang August ist der Gegenangriff der Wehrmacht in Mortain gescheitert, die deutschen Truppen werden teilweise besiegt, die Überlebenden, denen eine Umzingelung droht, evakuieren die Normandie. Sie überquerten die Seine und machen sich auf den Weg zurück nach Deutschland.